Februar 10, 2021

#InterviewsForFuture: #gartenarbeit

FridaysForFuture-Walsrode:

Moin, dann würde ich sagen: Let’s go. Wunderbar. Ich freu mich sehr, dass

ihr alle hier seid zum ersten Interview im Jahr 2021 mit Lasse Hildebrandt. Lasse wird sich

gleich auch einmal vorstellen, damit ihr alle wisst wer er ist.

Wir führen dieses Interview unter dem Titel „#gartenarbeit“. Es ist also wahrscheinlich sehr

eindeutig, worum es gehen wird, aber das wird natürlich auch innerhalb dieses Interviews

nochmal deutlicher gemacht werden und hervorgehoben. Dann will ich dich

einmal bitten Lasse, dass du dich vorstellst und dann können wir auch erstmal mit

der ersten Frage starten.

Lasse:

Jo, Moin Moin erstmal in die Runde! Ich bin Lasse und ich weiß gar nicht, was ich noch sagen soll.

FridaysForFuture-Walsrode:

Dann würde ich auch direkt mit der ersten Frage an dich beginnen und wir

werden dann auch während des Interviews noch mehr über dich und deine Arbeit

erfahren. Und die erste Fragen ist eine Standardfrage. Die stellen wir jeder

Interviewpartner*in den/die wir haben: Glaubst du, es gibt einen anthropogenen

Klimawandel, also einen menschengemachten Klimawandel?

Lasse:

Ja, also ich finde es steht außer Frage, dass unser Handeln in der Welt Einfluss auf das

Klima hat. Also ja.

FridaysForFuture-Walsrode:

Gut, vielen Dank für deine Antwort darauf. Und damit beginnen wir auch im

Endeffekt schon etwas persönlicher mit dir und die Frage, die uns ja praktisch zu diesem

Interview geführt hat „#gartenarbeit“: Wie bist du auf die Idee gekommen, dir einen

eigenen Garten zu kaufen und wie viel Zeit nimmst du dir in der Woche, im Monat? Also, dass du einmal ein bisschen darauf eingehst, wie du halt auf die Idee gekommen

bist, warum und was es für dich bedeutet.

Lasse:

Ja, ich war schon früher immer sehr aktiv in dem Garten von meiner Oma und das hab ich

dann auch irgendwie so ein bisschen nach Hause verlagert. Da war es aber nur sehr

begrenzt möglich,meine Mutter war jetzt nicht unbedingt so begeistert davon und als

dann irgendwann die Statik von meinen Balkon in Frage gestellt wurde, nachdem da

mehrere Hochbeete installiert wurden, hab ich dann meine Gartentätigkeit in einen

Garten verlagert. So bin ich darauf gekommen und ja, das mit der Zeit, also das ist auch ein Faktor, warum ich dieses ökologische Gärtnern so schätze. Da die Natur einem wirklich viel Arbeit abnimmt. Aber es ist so, dass es Perioden gibt - gerade im Frühling und im

Sommer - wo dann viel Arbeit ansteht, aber dann muss man sich einfach die Zeit nehmen.

Die benötigt der Garten dann auch, aber dafür gibt es dann auch Phasen gerade im

Winter, wo man dann sehr wenig zu tun hat und ich finde es geht dann auch immer

darum zu versuchen sich möglichst wenig Arbeit im Garten zu machen. Da

gibt es halt verschiedenen Methoden, die man anwenden kann.

FridaysForFuture-Walsrode:

Also würdest du das praktisch auch als Anreiz sehen für viele eben dieses naturnahe

Gärtnern zu verschreiben, weil es eben nicht so zeitaufwändig ist?

Lasse:

Ja, das auf jeden Fall. Gerade z.B. im Sommer, wenn man sich das anguckt. Wir haben extrem heiße und trockene Sommer und so kann man sich mit verschiedenen Methoden - das werden wir sicher später noch ansprechen - dann auch z.B. Arbeit beim Gießen sparen,

dass man nicht zwei, drei mal am Tag in den Garten fahren muss, um zu gießen und das

erleichtert einem einfach die Arbeit und macht auch viel mehr Spaß.

FridaysForFuture-Walsrode:

Genau und damit können wir auch direkt zur dritten Frage übergehen, wo wir gerade

schon ein bisschen angeschnitten haben: Was muss man aus deiner

Sicht beim naturnahen Gärtnern beachten? Du hat ja gerade schon Vorteile

angesprochen. Wie würdest du sagen, kann man besonders gut auf

eine umweltbewusste Gestaltung des eigenen Gartens eingehen, weil das ja etwas ist,

was für viele Leute auch ja immer wichtiger wird.

Lasse:

Ja, also ich finde ein guter Weg das hinzubekommen ist die Natur zu beobachten,

weil das ja quasi das Optimum ist, zu dem man quasi so nah wie möglich kommen

möchte. Da sieht man einfach ein paar verschiedene Methoden, die die

Natur anwendet und die man dann selber adaptieren kann. Eine Sache z.B. das Mulchen. Das ist die Sache, die einem im Sommer so viel Arbeit spart. Durch diese Mulchschicht, das ist z.B. Stroh, ist der Boden sozusagen bedeckt und es verdunstet nicht mehr so viel Wasser, da das Wasser wesentlich besser im Boden gespeichert werden kann und man muss nicht so oft in den Garten fahren und gießen. Zudem regt es z.B. auch das Bodenleben an, was allgemein für eine bessere Bodenqualität sorgt und dann gibt es auch noch ganz viele verschiedene andere Methoden, die kann ich jetzt nicht alle aufzählen. Ein Beispiel sind z.B. auch noch Mischkulturen, wo man guckt: Was kann eine Pflanze, was für Vorteile hat das und was braucht eine andere Pflanze, wie können die sich gegenseitig unterstützen?

Ein klassisches Beispiel dafür wäre, z.B. man pflanzt Bohnen. Die haben

Leguminosen- Die können Stickstoff im Boden anreichern und dann gibt es z.B. Starkzehrer wie Kürbis, die brauchen diesen Stickstoff, den nährstoffreichen Boden und

so können sich die Pflanzen gegenseitig unterstützen. Das erleichtert einem sehr, sehr

die Arbeit. Man versucht einfach diese Sachen der Natur zu übernehmen.

FridaysForFuture-Walsrode:

Danke, ich finde damit hast du auf jeden Fall schon auf die nächste Frage definitiv vorgegriffen: Welche natürlichen Prozesse es beim Gärtnern gibt. Dafür

hast du ja schon Beispiele genannt, definitiv sehr interessant. Denn ich glaube vielen ist das

gar nicht so bewusst, dass viele Sachen sich da auch gegenseitig unterstützen und das

wirst du wahrscheinlich aus eigener Erfahrung wissen. Man sagt ja immer so: “Es gibt

unter Pflanzen, die man nebeneinander pflanzt, ja auch „Freunde und Feinde“. Also Pflanzen, die sich untereinander gut verstehen, die nebeneinander gut wachsen können und eben halt nicht. Vielleicht kannst du dazu mal ein paar Beispiele nennen, die dafür ganz typisch sind.

Lasse:

Ja, ein sehr gutes Beispiel auch für diese „Freunde und Feinde“ neben Pflanzen, die sich unterstützen, was ich grad schon angesprochen hab, so klassische Feinde wären z.B. Kartoffeln und Tomaten. Da gibt es z.B. einen Pilz und der befällt immer diese Kartoffeln- und Tomatenpflanzen. Es ist einfach so, dass Kartoffeln klassisch diesen Pilz wesentlich früher bekommen. Das ist nicht schlimm für die Kartoffeln, da die Knollen dann meistens schon ausgereift sind, das nimmt keinen großen Schaden, aber die Tomaten brauchen wesentlich länger, um auszureifen und dann würde dieser Pilz den Tomaten so in dem Maße schaden, dass man z.B. sehr viel weniger Ertrag hätte. Das wäre so ein klassisches Beispiel für Feinde, aber es gibt auch Freunde, in dem Maße, dass eine Pflanze einer anderen hilft, einfach hochzuranken und damit spart man sich einfach die Arbeit für ein Rankgitter oder die

halten sich die Schädlinge vom Leib.

FridaysForFuture-Walsrode:

Ich glaube, das ist nämlich auch für viele wichtig, wenn es darum geht - gerade im Bezug auf naturnahes Gärtnern - dass es eben halt auch viel Unterstützung gibt, indem man darauf achtet, wie man anpflanzt. Dann etwas größer gegriffen, also auf einer umfassenderen Ebene. Ein bisschen raus aus dem eigenen Garten eben die Frage, ob sich diese Methoden und Abläufe, die du eben bei dem naturnahen Gärtnern in deinem Garten benutzt oder

anwendest, sich auch auf eine größere landwirtschaftliche Ebenen übertragen

lassen und wenn ja, wenn du da Parallelen siehst, ein gutes Beispiel nennen kannst? Weil

es ist ja schon so, dass eben gerade Vieles, was man so im Kleinen machen kann, ja auch

übertragbar ist..

Lasse:

Ja, also Parallelen zur wirklich mechanisierten auf Ertrag getrimmten,

Monokultur-Landwirtschaft sehe ich absolut nicht. Also das ist eigentlich das exakte

Gegenstück dazu. Die Parallelen würde ich dann eher so in der kleineren, strukturierten

Landwirtschaft sehen. Auch eher Bio- und Ökolandwirtschaft, wo dann wirklich einmal das Mulchen versucht wird, weil das dann wirklich extrem viel Arbeit im Sommer spart  und

z.B. dass man verschiedenen Insekten aussetzt, die dann einem entweder die Schädlinge

vom Leib halten oder dann wiederum auch einem die Pflanzen bestäuben, was wiederum

den Ertrag erhöht. Dann werden einem die Bienen oder Hummeln angeliefert oder die Marienkäfer oder was auch immer und im heimischen Garten würde man das dann eher so machen, dass man quasi die Lebensräume für die Tiere schafft, dass diese von selber kommen. Aber vom Prinzip her ist es das Gleiche, also dass die Tiere einem helfen.

FridaysForFuture-Walsrode:

Also würdest du auf jeden Fall sagen, dass, wenn man darüber nachdenkt, wie

Landwirtschaft nachhaltiger gestaltet werden kann, praktisch aber schon auf Prozesse

zurückgegriffen werden könnte. Wenn du ja sagst: Im ökologischen Anbau gibt es das

auch schon. Damit ist das vielleicht vergleichbar. Wenn man also sagt, man

möchte Landwirtschaft nachhaltiger gestalten, dann könnte man auf das Kleine

zurückgreifen und diese auch im größeren Anwendung finden lassen. Ebendann nicht immer dieser Faktor möglichst viel Gewinn und alles maximieren im Vordergrund stehen würde.

Lasse:

Ja, also, ich finde es gut, dass du das nochmal ansprichst. Also ich finde, man muss sich

auch immer fragen, wie nachhaltig, wie zukunftsorientiert ist unsere heutige

Landwirtschaft? Man sieht überall diese Monokulturen, das ist absolut nicht

zukunftsfähig. Gerade auch im Fall des Klimawandels erkennt man, dass wir vor unfassbar

großen Schwierigkeiten stehen und da sollte man sich auch die Frage stellen, ob man nicht

vielleicht lieber wieder zu einer kleineren, strukturierten Landwirtschaft übergeht, um dann

auch die Maßnahmen des ökologischen Landbaus wirklich perfekt oder gut übernehmen

zu können.

FridaysForFuture-Walsrode:

Vielleicht kannst du noch einmal darauf eingehen, welche Probleme du mit

den Monokulturen siehst oder auch grundsätzlich, was du jetzt damit meinst.

Lasse:

Also, ganz klar. Es bestehen riesige Probleme in der Monokultur. Man hat ja nur eine Feldfrucht auf einer riesigen Fläche von mehreren Hektar, was einmal dazu führt, dass dort absolut keine Artenvielfalt herrscht. Zudem ist es so, dass man vor riesigen Problemen wie Schädlingsbefall steht, also, wenn man einen Pilz, einen neuen Pilz, hat vor dem man sich dann nicht mit irgendwelchen Pestiziden geschützt hat, dann ist natürlich die ganze Ernte futsch. Man ist halt absolut nicht vor Veränderungen geschützt. Zudem ist es so, wenn man jetzt bei uns die große Maismonokultur sieht, da hat man oft das Problem mit den extrem

ausgetrockneten Böden. Da ist jetzt der Faktor z.B. Bodenerosion - also, dass viel Boden, viel Erde durch Wind abgetragen wird. Dann ist es auch so, dass der Boden sich quais so stark verhärtet, dass er fast gar kein Wasser mehr absorbieren kann. Man sieht die Feuchtperioden werden immer kürzer und die Trockenperioden immer länger. Das führt dann dazu, dass der Boden, wenn es regnet, einfach gar kein Wasser mehr aufnehmen kann. Das wiederum führt dazu, dass es zu unfassbaren Überschwemmungen kommen kann.

FridaysForFuture-Walsrode:

Du würdest definitiv sagen, dass praktisch Monokulturen, die halt im Großen in der

Landwirtschaft ein Problem sind, auch im eigenen Garten vermieden werden müssen?

Lasse:

Ja, also, das auch jeden Fall. Ich denke, da wird auch niemand daran Spaß haben, wenn er

jetzt zwanzig Quadratmeter nur Mais in seinem Garten stehen hat. Zudem ist es so, dass

es auch für den heimischen Garten nicht gerade produktiv ist. Also diese Monokulturen

sind ja wirklich auf diese riesige Flächen ausgelegt und diese Pflanzen sind auch darauf

ausgelegt, dass sie dann mit den Herbiziden und Pestiziden und so alles behandelt

werden. Da sollte man sich erstmal die Frage stellen: “Möchte ich das alles in meinem

Garten haben?” Also ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand daran noch Spaß haben wird.

FridaysForFuture-Walsrode:

Dann die nächste Frage. Ich vermute, man kann deine Meinung da schon ein bisschen

heraushören: Was hältst du von Unkrautvernichtern und Pestiziden? Ich glaub, so ein

bisschen hast du das ja schon anklingen lassen, aber kannst du das vielleicht noch ein

bisschen konkretisieren, inwiefern das schwierig für den eigenen Garten ist? Aber auch, wie das auf dieser größeren Ebene ist, also was das generell für die Landwirtschaft bedeutet?

Lasse:

Da bestehen mehrere Probleme. Erstmal ist natürlich das offensichtlichste

Problem: Die Artenvielfalt. Die Diversität wird absolut zerstört. Man hat keine

anderen Pflanzensorten mehr, keine anderen Tiere mehr auf diesen Flächen, was ja auch

gewollt ist. In dem Fall aber, was natürlich für das gesamte Ökosystem ein riesiges

Problem ist: Die Tiere finden keine Nahrung mehr. Thema: Insektensterben. Was natürlich

auch ein riesiges Problem ist in unser heutigen Zeit. Diese Herbizide, Pestizide die sind ja nicht einfach weg, sondern die sind ja immer noch da und die Menschen kommen ja trotzdem in Kontakt damit. Da sollte sich jeder doch persönlich die Frage stellen, inwieweit möchte ich das in meinem Essen haben oder weiß ich überhaupt, was in meinem Essen drin ist? Möchte ich das überhaupt und, und, und. Ich empfinde das als ein riesiges Problem und auch ein Punkt, warum gerade der Ökolandbau in unser heutigen Zeit jetzt auch wieder so ein Aufschwung bekommt. Weil viel mehr Bewusstsein auch heutzutage dafür existiert.

FridaysForFuture-Walsrode:

Und gerade im Kontext von Unkrautvernichtern. Deine Meinung zu Menschen, die der Meinung sind, man müsste jedes Unkraut in seinem Garten verschwinden lassen. Dass das ja eigentlich mit eins der größten Probleme ist. Vielleicht kannst du auch was zu sagen.

Lasse:

Meiner persönlichen Meinung nach ist Unkraut jetzt nicht so ein Riesenproblem. Natürlich wenn ich Ertrag haben möchte, dann muss ich das Unkraut „auch in einem gewissen Maße halten“, aber da sollte man sich mehrere Fragen stellen: Erstmal, schadet das Unkraut (oder Beikraut wie man eher sagt) überhaupt? Oder nützt es mir in einem gewissen Maße? Oder stört es mich einfach nicht? Hab ich weniger Arbeit und hab dann vielleicht auch ein bisschen weniger Ertrag. Ich finde, ein heimischer Garten sollte nicht auf Ertrag getrimmt sein, er sollte auch einen Erholungsort darstellen. Zudem die Frage, die ich jetzt nicht wissenschaftlich beantworten kann mir persönlich aber auch stelle, ob man nicht vielleicht auch in gewisser Weise diesen Selektionsprozess ausschaltet? Man hilft den Pflanzen immer, sie haben also gar keine Gegner mehr. Ob das den Pflanzen nicht auch hilft, ob sie nicht ein

angeregteres Wachstum davon haben? Wie gesagt. Kann ich nicht wissenschaftlich beantworten, kann ich mir aber persönlich gut vorstellen, da ich auch persönlich die Erfahrung gemacht hab.

FridaysForFuture-Walsrode:

Also würdest du praktisch sagen das Aufheben der Einstellung, man müsse immer sofort alles Unkraut wegmachen, wenn da irgendwie neues wächst, ist eigentlich aus deiner Sicht ein bisschen schwachsinnig?

Lasse:

Ja.

FridaysForFuture-Walsrode:

Dann das Nächst. Wieder ein bisschen konkreter auf die Gärten. Eigentlich auch der komplette Kontrast zu dem, was du machst. Deine Meinung zu Schottergärten? Das ist ja definitiv auch ein Thema, was die Gemüter erhitzt, wenn man auf Gärten guckt. Wie gesagt, einfach der komplette Kontrast zu deinem naturnahen Gärtnern. Was sagst du denn dazu? Wo siehst du Nachteile, vielleicht fallen dir ja Vorteile ein?


Lasse:

Ich finde da muss man ein ganz kleinwenig differenzieren. Wenn man z.B. einen

Schottergarten sehr gut strukturiert und dort auch Pflanzen zulässt, kann das doch sehr wertvoll für das Ökosystem sein. Da gerade diese sehr, sehr mageren Standorte viel zu selten heute überhaupt noch vorkommen. Wir haben sehr überdüngte Flächen und dort herrscht kaum Artenvielfalt. Auf diesen sehr mageren Standorten herrscht noch diese Artenvielfalt und man muss doch sagen, dass die meisten Schottergärten, die man so sieht, nicht so strukturiert sind, sondern eher tote Wüsten darstellen. Da sehe ich dann auch mehrere Probleme: Erstmal Faktor Klimawandel.

Das ist einfach eine weitere unnötige Fläche, die sich aufheizt. Das sind Steine - die

heizen sich einfach immens auf im Sommer. Man hat dann auch noch das Problem, dass

man weniger Biodiversität hat. Dort sind ja keine Pflanzen, keine Tiere. Außer

mal eine Echse, die sich aufwärmen möchte, aber ansonsten ist das einfach ein toter

Raum. Viele Menschen denken sich, sie machen sich weniger Arbeit dadurch, dass sie ihren Garten zu dieser Betonwüste machen, das ist aber nicht so. Die Natur sucht sich immer

ihren Weg und den findet sie auch. Durch z.B. Wind werden Nährstoffe eingetragen,

Erde eingetragen und durch den Regen ist dann die nötige Feuchtigkeit da. Also,

es werden auch Pflanzen da wachsen - da kann man tun und lassen, was man möchte.

Dann diese Pflanzen dort zu entfernen, stellt doch auch wieder einen großen Arbeitsaufwand dar und da sollte man sich eher die Frage stellen, ob man es nicht eher so macht:

Man fasst eine sehr naturnahe Fläche zusammen, wo dort dann viele Tiere, viele Insekten

leben können. Wo viele Pflanzen auch einen neuen Standort finden und man hat gleichzeitig ja noch den positiven Nebeneffekt, dass es die Flächen einfach herunterkühlt. Grünflächen führen ja immer zu einer Runtergekühlung der Umwelt durch Verdunstung und gerade für Ballungszentren ist das natürlich ein riesiges Thema. Es ist auch nicht ohne Grund in mehreren Städten schon verboten worden, solche Schottergärten, neben der Optik, anzulegen.


FridaysForFuture-Walsrode:

Du hattest am Anfang diese Frage mit der Antwort darauf angesprochen. Es

gibt auch Schottergärten, die gar nicht so negativ sein müssen, wie sie auf den ersten

Blick wirken, wenn sie gut strukturiert sind. Inwiefern kann das denn

stattfinden? Wo siehst du da die Möglichkeit, das so zu strukturieren damit es halt nicht

diese Schotterwüsten sind, die man so im klassischen Sinne kennt?

Lasse:

Wie gesagt - also unsere Flächen heutzutage, wie ich schon

erwähnt habe, sind oft sehr überdüngt. Deshalb muss man diese Flächen erstmal abmagern und dann kann man anfangen, an diesen Flächen z.B. Pflanzen anzusiedeln, die auf diese sehr mageren Böden spezialisiert sind. Denn das Problem heutzutage ist, dass wir diesmal nicht einfach abwarten können, bis sich diese Pflanzen ansiedeln, da diese Pflanzen in unserer Umwelt kaum bis gar nicht überhaupt mehr vorkommen. Deshalb muss man da ein bisschen selber Hand anlegen. Aber wenn man die dann wirklich strukturiert, dass sich Verstecke für gewisse Eidechsen bilden - da gibt es sehr viel Raum für

auch Kreativität kann man sagen. Wo man sich dann persönlich auch ein bisschen

ausleben kann. So würde dann diese Strukturierung stattfinden.

FridaysForFuture-Walsrode:

Das ist auf jeden Fall für viele auch interessant. Ich glaube die meisten Menschen finden es entweder ästhetisch sehr schön und machen sich eigentlich überhaupt keine Gedanken über den tatsächlichen Nutzen und für die anderen ist es so ein rotes Tuch. Wie du schon angesprochen hast. Diese Verschwendung von Raum ist für viele glaube ich ein großes Problem. Dann die nächste Frage. Wie wichtig ist der Umweltschutz für deine, für unsere Generation? Was man da vielleicht noch erwähnen kann: Du bist ja jemand, der gleich alt ist wie wir. Du bist 17 und hast ja einen kleinen Garten. Was auf den ersten Blick für viele ja immer schwer zusammen zu bringen ist. Trotzdem, das ist ja auch auf jeden Fall die Besonderheit, warum wir dich als Interviewpartner ausgesucht haben - eben um das auch

hervorzuheben, dass das kein Widerspruch sein muss. Deshalb auch die Frage an dich: Was glaubst du, wie wichtig das für unsere Generation ist?

Lasse:

Ich finde das ist eine der vielen Generationsaufgaben diesen Umweltschutz endlich mal wirklich so in die Hand zu nehmen, was zu machen, was zu verändern.

Jeder kann irgendwas dazu beitragen. Es wäre schön, wenn sich mehr Leute einen kleinen Garten aneignen würden, auch gerade junge Leute, aber natürlich sehe ich auch, dass das nicht für jeden möglich ist.

Trotzdessen kann jeder irgendwas dafür tun. Im Fall des Umweltschutzes z.B. Vorhaben wie Insektenhotels. Wenn sie gut strukturiert sind, kann man dort auf sehr kleinem Raum sehr viel Lebensraum auch schaffen. Das kann jeder mit einem kleinen Balkon, also braucht man da nicht mal einen eigenen Garten für. Oder wenn man gar keine Flächen hat oder es nicht machen möchte, kann sich jeder heutzutage engagieren und so etwas dazu beitragen, also da hat jeder heutzutage die Möglichkeiten, etwas zu machen. Deswegen würde ich sagen, es kann jeder etwas dafür tun und es sollte auch jeder etwas dafür tun.

FridaysForFuture-Walsrode:

Man kann definitiv sagen, dass in den letzten Jahren da Bewusstsein für gewachsen ist. Für diese ganze Thematik. Definitiv etwas, das sehr wünschenswert ist und was definitiv so weitergehen sollte - wo du definitiv auch Vorbild bist. Zur nächsten Frage: Was ist jetzt gerade bald im beginnenden Frühling wichtig, um den Garten optimal auf das Jahr vorzubereiten? Ich glaube, das ist für viele auch immer eine Frage: Wie kann ich optimal dafür sorgen, dass alles auch für einen selbst nicht schwierig ist sondern, dass alles auch

so seinen eigenen Lauf nimmt. Wie kann man sich darauf vernünftig vorbereiten? Wie

gesagt, wir gehen ja jetzt auf den Frühling zu. Ich denke das ist definitiv auch eine

Frage, die für viele interessant ist, wie du da so die Prioritäten setzt?

Lasse:

Wenn man jetzt noch gar kein Garten hat, sondern z.B. nur Rasenfläche, gestaltet sich das doch durchaus etwas schwieriger, das diesen Frühling in Angriff zu nehmen, da, wie schon angesprochen, unsere Flächen meistens tote Flächen sind. Unter diesen Rasenflächen existiert kaum noch Bodenleben und deswegen muss man diese Flächen erstmal aktivieren. Dort diese Mikroorganismen erstmal quasi neu hinbringen. Was man aber machen kann, ist

z.B. so etwas wie Hochbeete oder Hügelbeete anzulegen, da man dort neues Material anbringt und wo dann quasi diese Mikroorganismen direkt schon vorhanden sind. Also, die braucht man auf jeden Fall - denn der Boden ist immer die Grundlage für den Garten und davon zehren sich ja die Pflanzen und wenn der nicht gescheit ist, dann wird auch aus den Pflanzen nichts werden. Und wenn man jetzt quasi schon eine Gartenfläche hat, dann würde ich sagen, steht im Frühjahr jetzt das fleißige Pflanzen an. Man muss zwar jetzt noch ein bisschen abwarten, man sollte die Flächen zwar schon ein bisschen vorbereiten, z.B. mit Mulch, wie ich das schon angesprochen habe, aber bald steht dann jetzt auch das Pflanzen an, wo dann jetzt auch die arbeitsreiche Zeit beginnt.

FridaysForFuture-Walsrode:

Man hat rausgehört, du würdest sagen im Frühling, wenn man sich einen

neuen Garten anlegen möchte, ist das nicht optimal. Wann würdest du sagen, wäre das optimal und warum?

Lasse:

Wenn man jetzt quasi seine Gartenfläche neu strukturieren möchte und z.B. statt Rasen jetzt einen Nutzgarten anlegen möchte, dann würde ich sagen ist so die perfekte Zeit sobald es zum Herbst zugeht. Da man einfach den Vorteil hat, dass man wesentlich mehr Niederschlag hat, der Boden ist feuchter und nicht so ausgetrocknet, wie im Sommer und die Umwandlung ist leichter. Aber ich finde, man kann nicht früh genug damit anfangen. Ich würde sagen, wenn man diesen Prozess beschleunigen möchte, würde ich da anfangen, dass man quasi die Rasenfläche entfernt. Oder es gibt auch ganz einfache Methoden, wo man den Rasen einfach abdeckt mit Pappe und dann mehrere Schichten Laub z.B. darauf aufbringt, wo dann quasi die Organismen anfangen diesen Rasen zu zersetzen und so spart man sich dann auch wieder die Arbeit diesen Garten umzuwandeln. Jedoch muss

man sagen, dass bis man einen richtigen Gartenboden hat, der wirklich sehr gut ist, es sogar mehrere Jahre dauern kann. Das ist ein ewig fortlaufender Prozess. Trotzdessen

kann man damit anfangen.

FridaysForFuture-Walsrode:

Vielen Dank auf jeden Fall dafür. Dann eigentlich so die letzte Frage die wir jedes Mal auch wieder allen Interviewpartnern und Partnerinnen mitgeben und, wo wir uns auch immer auf eine generelle Antwort freuen. Was möchtest du den Leuten im Allgemeinen noch mitteilen? Das ist jetzt so eine grundsätzliche Frage. Ob du nicht vielleicht auch noch konkrete Tipps hast, was dir vielleicht am Anfang geholfen hat oder, was du gerne gewusst hättest, als du mit deinem eigenen Garten angefangen hast. Kleine Tipps und Tricks, die man halt mitgeben kann, die wirklich hilfreich sein können.

Lasse:

Ja, ich kann jedem nur persönlich wirklich ans Herz legen einfach mal zu machen, seine

Ideen seine Gedanken, die man halt hat, umzusetzen. Man sieht ja die Prozesse des Redens der Politik. Das ist ein sehr, sehr langfristiger, langwieriger Prozess und wenn man das persönlich angeht, kann man direkt kurzfristig etwas verändern. Wenn man eine sehr große Masse hat, kann man eigentlich einen sehr großen Einfluss auf die Gesamtheit haben. Nicht nur auf die Umwelt, sondern auch auf die Industrie. Jeder, der persönlich was verändert, einfach mal macht und nicht nur redet hat einen Einfluss und ich finde den sollte jeder auch nutzen.

FridaysForFuture-Walsrode:

Ja, dann sage ich auf jeden Fall an der Stelle für die Beantwortung dieser Frage vielen

Dank. Ich darf dann jetzt die Publikumsrunde starten mit unseren Zuschauern. Dann würde ich um Fragen bitten, sofern welche da sind.

Bjarne G.:

Ich hab eine Frage, die mir eingefallen ist, als du anfangs über deine

Familie geredet hattest: Wie haben deine Freunde auf dein Hobby reagiert? Ist ja relativ ungewöhnlich.

Lasse:

Haben auch viele gesagt. Trotzdessen muss ich sagen, dass ich eigentlich nur

positives Feedback bekommen habe. Also viele Freunde, auch Fabio, haben mir häufig im

Garten geholfen und man muss sagen, dass ich vielleicht ein paar Leute schon

inspirieren konnte. Also alle Leute waren immer begeistert, dass jemand so etwas macht. Ich hab jetzt nichts irgendwie Negatives aufgefasst.


FridaysForFuture-Walsrode:

Vielen Dank für deine Frage, Bjarne. Wenn noch andere Fragen bestehen, stellt sie gerne. Ich kann da aber auf jeden Fall auch nur ergänzend sagen, dass du definitiv für viele eine Inspiration gewesen bist, soweit ich das jetzt mitbekommen habe.

Auch für ältere Menschen, die das schon als Hobby haben oder sich darüber freuen, wenn junge Menschen da nachkommen und all das halt ein bisschen weiterführen. Dass jene auch merken, ihre Vorarbeit war nicht umsonst gewesen. Du hast uns viele wichtige und gute Einblicke gegeben. Wir haben alle ein bisschen etwas mitgenommen. Auch generell, was eben die grundsätzliche Nachricht, diese Message dahinter, ist: Einerseits, auf jeden Fall machen, wenn man möchte und sich gar nicht so viel Druck machen. Direkt von Anfang an alles perfekt machen zu wollen, hindert glaube ich viele auch daran. Das hast du gut rübergebracht.


Lasse:

Darf ich dazu noch kurz etwas sagen?


FridaysForFuture-Walsrode:

Ja definitiv.


Lasse:

Gut, dass du es nochmal angesprochen hast. Also ich denke viele Menschen machen

sich viel zu viel Druck, was das angeht und versuchen sich einfach Unmengen an

Literatur anzueignen. Das Wissen anzueignen. Aber das meiste Wissen, gerade was

das Gärtnern angeht findet man einfach erst heraus, wenn man es wirklich selber

macht. Seine eigenen Ideen umsetzt. Dann findet man am meisten heraus, dass

auch jeder Garten unterschiedlich ist. Alles, was quasi in Büchern steht, ist nicht auf

alle Gärten übertragbar. Jedes Mikroklima, jeder Boden ist anders. Jede minimale Veränderung verändert schon irgendwas und deswegen kann man sich quasi nur das Wissen aneignen, wenn man es überhaupt selber macht und nicht nur, wenn man Bücher liest.

FridaysForFuture-Walsrode:

Ja, ich glaube, das sind sehr gute abschließende Worte und definitiv auch ein Appell an alle, einfach sich selber auszuprobieren, weil das wahrscheinlich individuell dann zu dem besten Ergebnis führt.