Januar 13, 2021

Interviews4Future: #FRACKyourself

FridaysForFuture-Walsrode: Dann erstmal: Herzlich Willkommen zum vierten Interview4Future. Heute haben wir ein allseits aktuelles Thema parat, über welches wir mit zwei reizenden jungen Damen reden werden. Heute zu Gast bei unserem Doppelinterview sind Ingrid und Linda vom Aktionsbündnis gegen Gasbohren. Ich würde euch beide gerne fragen, ob ihr euch einmal separat vorstellen könntet?

Ingrid: Hallo, ich bin Ingrid. Ich bin beim Aktionsbündnis gegen Gasbohren bei Bad Fallingbostel tätig und ich bin 14 Jahre alt.


Linda: hallo, ich bin Linda. Ich bin 13 Jahre alt und bin genauso wie Ingrid auch beim Aktionsbündnis gegen Gasbohren dabei.


FridaysForFuture-Walsrode: Ja, dann kommen wir zur ersten Frage. Es ist eine Frage, die wir hier bisher jedesmal zu Anfang gestellt haben. Glaubt ihr an einen anthropogenen, also menschengemachten Treibhauseffekt? Und, wenn ja: Warum?


Ingrid: Ja, ich glaube an einen menschengemachten Klimawandel, weil der Hauptakteur der Mensch ist. Ab der Industrialisierung und dem weltweiten Handel wurde immer mehr produziert - das hat halt Überhand genommen. U.a. Landschaftsveränderungen machen den größten Anteil. Ich glaube aber auch, dass natürliche Einflüsse auch in einer Art und Weise verändern.

FridaysForFuture-Walsrode: Dann kommen wir direkt einmal zum heutigen Thema und zwar: Das “Aktionsbündnis gegen Gasbohren”, ein im Februar 2018 entstandenes Bündnis gegen die geplanten Gasbohrungen im Heidekreis, setzt sich, wie bekannt sein sollte gegen das geplante Fracking im Heidekreis ein. Es gab schon einige Veranstaltungen, die für diese Region wirklich gut besucht waren, aber: Was ist das Aktionsbündnis, was tut es derzeit und, was möchte es verändern?

Linda: Also, das Aktionsbündnis setzt sich gegen die geplanten Bohrungen im Heidekreis ein. Dazu sammeln wir Unterschriften und klären die Leute mit Veranstaltungen auf. Das Logo erkennt man überall auf Buttons, Banner und Sticker und selbstgemachten Holzborhtürmen, die mitunter an Straßenrändern stehen. Es möchte die geplanten Bohrungen im Heidekreis stoppen und, dass das Bergrecht geändert wird. Denn alle müssen Umwelverträglichkeitsvorschriften befolgen, nur die Erdgaskonzerne nicht.

FridaysForFuture-Walsrode: Ja, das ist eine ziemliche krasse Problematik mit dem ganz veralteten Bergrecht. Hoffen wir, dass das alles soweit voran geht - ich zumindest setze da viel Hoffnung in die Politik. Es ist eine nahezu abstrakte Art und Weise weiterhin Energie zu gewinnen. Was birgt also das Erdgasbohren für Umweltschäden in unserer Region?

Ingrid: Also erstmal würde mir wichtig sein, dass das was ich gleich sage natürlich nicht bei jeder Bohrung vorhanden ist und es immer nur das Risiko dafür besteht. Mit dem Wort “Fracking” kann halt fast jeder etwas anfangen und es gibt auch enormen Widerstand dafür.Vor Ort soll eigentlich erstmal nicht gefrackt werden - aber das ist natürlich kein Versprechen für immer. Und dieses Vorgehen kann man natürlich auch anders benennen und dann ist das wieder erlaubt. Die hohen Umweltbelastungen durch Abholzung und Anlieferungen von LKW’s, wenn die Bohrplattform eingerichtet wird ist halt auch hoch. Sollte doch hier im Heidekreis gebohrt werden, ist das ein Mix aus Chemikalien, die kilometertief in die Erde gepresst werden. Es gibt dabei keine Versicherung, dass nichts passiert. Da sind z.B. Biozide und Tetraamoniumchlorid enthalten

FridaysForFuture-Walsrode: Es sind ja nicht nur die die Chemikalien, die dort auf Umweltebene etwas anrichten, sondern neben dem ökologischen Aspekt und die Gefahren, welche Fracking für unsere Umwelt hat - gibt es auch hierbei die soziale Komponente. Es gibt Berichte über eine Zunahme von Krebsfällen in Bohrgebieten. Welche Gefahren hegt Fracking für die Menschen in unserer Region?

Linda: Es gibt natürlich das Risiko, dass es Erdbeben auslöst. Es kann auch krebserregend sein. Die Chemikalien sind auch wassergefährdend.

FridaysForFuture-Walsrode: Das giftige Frack-Wasser kann z.B. auch nicht aus der Bohrung zurückgeholt werden und bleibt da lange Zeit im Boden. Keine super Sache, wenn man einfach ein Glas Leitungswasser trinken will.

Linda: Es könnte auch Tieren das Fell ausfallen und es könnte auch Kopfschmerzen und Krebs hervorrufen, hier allerdings wieder: Es kann passieren, muss es aber nicht, und durch die Erdbeben bekommen die Häuser hier auch Risse - dabei sacken die auch ein Stück weiter nach unten.

FridaysForFuture-Walsrode: Klingt alles nicht so unfassbar geil. Was mir jetzt gerade noch spontan einfällt: Es gäbe doch auch ein Risiko, dass diese riesigen Wassermassen, die verwendet werden müssen, um Fracking zu betreiben, dann an anderer Stelle wieder fehlen könnten. Beispielsweise im Haushalt oder momentan nicht gerade das Beste: Auch in der Landwirtschaft.

Ingrid: Es ist sehr wichtig. Wir hatten nun ja auch mehrere große Trockensommer. Da ist das Wasser sowieso schon etwas knapp und dann würde auch noch dafür Wasser verwendet.

FridaysForFuture-Walsrode: Na gut, umso erfreulicher ist es, dass es einen großen Gegenwind gibt. Unter anderem in Form einer Petition. Was würde diese Petition, angestoßen von euch dem Aktionsbündnis gegen Gasbohren, bringen?

Ingrid: Wenn wir eine erfolgreiche Petition haben, also 50.000 Unterschriften erreichen, muss diese Petition im Bundestag behandelt werden. Das Bergrecht müsste nunmal in Berlin geändert werden, denn egal, was wir hier auf Kreisebene tun, es kann nicht geändert werden. Die ganzen Genehmigungen für das Bohren werden halt vom Landesbergamt ausgesprochen.

FridaysForFuture-Walsrode: Ok, dann kommen wir schon zur vorletzten Frage. Dieses Interview dauert tatsächlich etwas kurz an. Nun zu einer etwas persönlicheren Angelegenheit. Wie seid ihr beide auf das Aktionsbündnis gestoßen und was hat euch motiviert mitzumachen?

Linda: Also. Unser Vater war vor ca. zwei Jahren in der Bad Fallingbosteler Kirche zur Informationsveranstaltung für die Bohrung, die 2019 im September anfangen sollte. Manche sagten zuerst, dass es nicht so schlimm sei. Dann hat man zugegeben, dass es doch schlimmer ist, als die Konzerne sagten. Und dadurch sind wir dann auch auf das Thema gekommen.

FridaysForFuture-Walsrode: Dann wäre das auch die letzte Frage: Möchtet ihr den Menschen noch etwas auf den Weg geben und wenn ja, was möchtet ihr unbedingt mitteilen?

Ingrid: Ich würde wirklich empfehlen, dass ihr euch mit dem Film “Gasland” auf Youtube anguckt und unsere Seite gasbohrung-nein.de besucht. Da könnt ihr dann auch die ganzen Aktivitäten und so lesen und natürlich auch unsere Petition unterschreiben. Aber achtet natürlich auch auf den Alltag um euch herum. Z.B., wenn ihr eine neue Heizung kauft - heizt nicht immer mit Öl, sondern mit Pellets oder Scheitholz.

FridaysForFuture-Walsrode: Alles klar. Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen. Dann dankeschön, dass ihr euch beide Zeit genommen habt hier mit mir heute zu reden. Auch, wenn es etwas kurz war, aber die Informationen kommen nicht zu kurz.