August 30, 2021

Antworten von Manfred Ostermann auf unseren FFFragenkatalog vom 02.08.2021

KLIMASCHUTZ IM HEIDEKREIS! WIE ERREICHEN WIR EINE LEBENSWERTE ZUKUNFT VOR ORT?

Unser Projekt - Unser FFFragenkatalog!

Im Folgenden finden sich die Antworten des amtierenden Landrats und Landratskandidaten Manfred Ostermann auf unseren Fragenkatalog vom 02.08.2021.

Frage 1: Lässt sich der Klimawandel, wie wir ihn bereits heute erleben, auf einen anthropogenen Treibhauseffekt zurückführen. Wenn nicht, mit welcher Begründung?

Durch menschlichen Einfluss vor allem durch die Verbrennung fossiler Energieträger sowie Veränderungen in der Nutzung von Land und Wäldern haben sich in der Tat in den letzten 150 Jahren die Treibhausgase in der Atmosphäre stark erhöht und den Klimawandel forciert. Ich kann also mit Überzeugung sagen, dass der Klimawandel von Menschen gemacht ist und es somit auch in unserer Hand liegt, Veränderung zu bewirken.

Frage 2: Welchen Stellenwert hat Klimaschutz und Umweltschutz für ihre Entscheidungen im Heidekreis?

Klima- und Umweltschutz sind mir für das Leben künftiger Generationen äußerst wichtig und genießen bei Entscheidungen im Heidekreis oberste Priorität. Handlungsfelder und Schwerpunkte kommunaler Entscheidungen hat der Heidekreis bereits 2013 im
„Integrierten Kommunalen Klimaschutzkonzept für den Heidekreis" festgelegt, müssen aber auch künftig neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und technischen Möglichkeiten angepasst werden, pdf-Datei unter: klimaschutzkonzept-heidekreis.de

Frage 3: Gibt es Maßnahmen, um die Beteiligungs- und Informationsmöglichkeiten von Bürger*innen über den Klimaschutz zu stärken? Wenn nicht, sind solche Maßnahmen geplant? Wenn doch, können Sie diese Maßnahmen spezifizieren?

Beteiligungs- und Informationsmöglichkeiten gehören für mich zu den Grundprinzipen eines demokratischen Rechtsstaats. Nur so ist Verwaltungshandeln transparent und können Entscheidungen für und im Sinne der Bürgerinnen und Bürger getroffen werden. Diese Möglichkeiten stehen den Bürgerinnen und Bürgern bereits heute umfassend zu und können genutzt werden. Das Niedersächsische Umweltinformationsgesetz ermöglicht es allen Interessierten, sich beim Heidekreis alle dort verfügbaren Daten und Umweltinformationen geben zu lassen. Auch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Landkreises stehen für Auskünfte zur Verfügung. Darüber hinaus können die Einwohnerfragestunden aller Fachausschüsse und des Kreistages genutzt werden. Sämtliche Eingaben, Anfragen und Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern des Heidekreises werden in den Fachausschüssen beraten und können den Entscheidungsprozess des Kreistages und seiner Gremien entsprechend beeinflussen. In meinen Augen sind die bestehenden Möglichkeiten, die den Bürgerinnen und Bürgern des Heidekreises zur Verfügung stehen bereits sehr umfassend. Ich sehe meine Aufgabe nun darin, noch stärker über die bestehenden Möglichkeiten zu informieren und dafür zu werben, diese auch zu nutzen, denn genau darauf kommt es nun an.

Frage 4: Wen haben Sie zu Ihrem Verständnis und zu Ihrer Auseinandersetzung mit den klimatisch-wissenschaftlichen Feststellungen für Ihre Entscheidungsfindungen konsultiert?

Der Heidekreis hat 2014 die Energieagentur-Heidekreis gegründet, die ihre Arbeit im November 2015 aufgenommen hat. Auf Grundlage des 2014 beschlossenen Intergerierten Klimaschutzkonzepts des Heidekreises (pdf-Datei unter klimaschutzkonzept-heidekreis) steht die Energieagenutr allen Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen und Unternehmen für Fragen zum Thema Energie und Klimaschutz zur Verfügung. Darüber hinaus ist der Heidekreis Mitglied im "3N Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie e.V." mit eigenem Büro in Bad Fallingbostel. Über beide Institutionen werden wissenschaftliche Möglichkeiten zur Erkenntnisgewinnung genutzt, die auch mir wichtig sind, um Entscheidungen auf neuester wissenschaftlicher Grundlage treffen zu können bzw. diese für den Kreistag und seine Gremien vorzubereiten. Dies wird auch weiterhin möglich sein. Sollten für Entscheidungen des Kreistages weitergehende klimatisch-wissenschaftliche Entscheidungen erforderlich sein, sind auch unmittelbare wissenschaftliche Konsultationen für den Landkreis nicht ausgeschlossen und werden von mir begrüßt.

Frage 5: Wie wollen Sie andere, angrenzende Verwaltungszonen davon überzeugen den zukünftigen Fokus gemeinsam auf nachhaltige Generationen- bzw Klimagerechtigkeit zu legen?

Zur Generationen- und Klimagerechtigkeit arbeiten Landkreise in vielen Projekten bereits zusammen. So engagiert sich der Heidekreis mit neun anderen Landkreisen Niedersachsens im regionalen Netzwerk ARTIE, das unter anderem aufgrund des Strukturwandels und der Energiewende das Thema "Wasserstoffwirtschaft in der Region Nordostniedersachsen" entwickelt. Diese interkommunale Zusammenarbeit wird erhalten bleiben und sich in unterschiedlcihen neuen Projekten zur Generations- und Klimagerechtigkeit fortsetzen. Auch EU-Projekte fordern in der Regel eine interkommunale Zusammenarbeit mehrerer Landkreise, um überhaupt Fördermittel erhalten zu können. Probleme, andere Landkreise von einer Zusammenarbeit mit dem Ziel einer nachhaltigen Klima- und Generationengerechtigkeit zu überzeugen, sehe ich nicht. Dieses Handlungsziel liegt nicht nur mir, sondern auch den Landräten der angrenzenden Landkreise bereits jetzt am Herzen und daran wird sich von meiner Seite auch nichts ändern.

Frage 6: Sollte der Heidekreis den Klimanotstand ausrufen?

Deutschlandweit haben schon rund 80 Kommunen den Klimanotstand festgestellt. Dies ist ein wichtiges Mittel, um Maßnahmen einzufordern, die über den derzeitigen Stand hinausgehen, um die globale Erwärmung aufzuhalten. Zuständig hierfür ist für den Heidekreis der Kreistag, der eine solche Entscheidung nach vorheriger öffentlicher Beratung im Umweltausschuss treffen kann und sich dieses Themas in der neuen Wahlperiode auch annehmen sollte.

Frage 7: Wie wird das Gleichgewicht von wirtschafts- und umweltpolitischen Zielen berücksichtigt? Bedeutet: Werden regionale Wertschöpfungsflüsse, wie Steuereinnahmen, in der Region verbleibende Gewinne und Einkommen, sowie Arbeitsplätze, als auch die ökologischen Folgekosten, wie regionale und vor allem globale Klimaveränderung und Verlust von Biotopen in zukünftigen politischen Entscheidungen gegenübergestellt?

Dies ist eine sehr komplexe Frage, die sich für einen Landkreis nicht mit „Ja" oder „Nein" beantworten lässt. Der Heidekreis verfügt -außer der Jagdsteuer- über keinerlei Steuereinnahmen. Regionale Wertschöpfungsflüsse stehen, teilweise anteilig, den Städten und Gemeinden zu. Landkreise partizipieren daran nur über die von den Kommunen zu leistende Kreisumlage, um damit die Aufgaben des Heidekreises finanzieren zu können. Gleiches gilt für Erkenntnisse über Gewinne und Einkommen innerhalb der Kommunen. Eine über die Kreisumlage mitzufinanzierende Aufgabe des Landkreises ist es, Natur und Umwelt zu erhalten bzw. zu schonen. Erfasste Eingriffe in die Natur wurden und werden ausgeglichen und die Einhaltung wird auch von mir überprüft.

Frage 8: Mit was für klimatischen Veränderungen ist bis 2050 für den Heidekreis zu rechnen?

In den nächsten 30 Jahren ist auch im Heidekreis von mehr heißen und trockenen Sommermonaten auszugehen. Das erhöht die Waldbrandgefahr im Landkreis. Die Landwirtschaft muss sich auf erhöhte Temperatur- und Niederschlagsveränderungen einstellen. Auch veränderte Hochwasserlagen sind zu erwarten.
Es könnten sich aufgrund der vermehrten Starkregenereignisse vor allem Änderungen im Bereich des Hochwasserschutzes ergeben. Darüber hinaus ergeben sich hinsichtlich der in 2018 — 2020 aufgetretenen Dürreperioden im Sommer bei der Feldberegnung sowie bei der Frage der Grundwasseranreicherung bzw. der Wiederverwendung von genutztem aber gereinigtem Abwasser in rechtlicher Hinsicht sowie bei der planerischen und technischen Umsetzung Änderungen. Und es sind Überlegungen im Umgang mit der Siedlungsentwässerung anzustellen. All diesen Aufgaben werde ich mich als Landrat gemeinsam mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Städte, Gemeinden und Samtgemeinden in den kommenden Jahren widmen.

Frage 9: Wie wird auf im Zusammenhang mit dem Klimawandel auftretende, anhaltende Dürre-, Hitze- und Starkregenperioden durch den Kreis reagiert?

Der Heidekreis muss für alle zukünftigen, etwaig neuen Lagen mit zusätzlichem, für diese neuen Szenarien geeignetem Gerät ausgestattet werden, um reagieren zu können. Die dafür erforderlichen finanziellen Mittel werden in den Haushalt des Heidekreises eingestellt. Der Deichschutz muss seitens des Landes ausgebaut werden. Im Heidekreis laufen bereits drei Deichmaßnahmen zur Deichverstärkung, eine weitere ist in Planung. Sollten in Abstimmung mit den Deichverbänden weitere Deichanpassungen erforderlich sein, werden diese von mir ggf. beim Land eingefordert.
Es werden kurzfristig aufgrund der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz erweiterte, den zu erwartenden neuen Extremwetterlagen angepasste Übungen mit allen Akteuren des Katastrophenstabes, seiner Fachberater und Verbindungspersonen durchgeführt, damit auch bei sich ändernden Lagen „jeder Handgriff" sitzt.

Frage 10: Können, nach Ihrer Einschätzung durch den Klimawandel verursachte Folgekosten vom Kreis getragen werden, wie beispielsweise gestiegene Kosten für Wassernutzung?

Die vom Klimawandel verursachten Folgekosten können vom Heidekreis nur dann aufgefangen werden, wenn Bund oder Land hierfür finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Dies erwarte ich in Form von zu gewährenden Zuschüssen zur finanziellen Entlastung bei Preissteigerungen durch den Klimawandel. Die Zuschüsse können dann über den Landkreis ausgezahlt werden.

Frage 11: Welche Folgen hat das Insektensterben für den Heidekreis und inwieweit werden Landwirte vor den Profiteinbußen gesichert?

Nehmen Insektenarten bzw. -populationen ab, sind auch im Heidekreis andere Tierarten, denen Insekten als Nahrungsgrundlage dienen, in ihrem Bestand gefährdet. Ertragsausfälle für einige Bereiche der Landwirtschaft können die Folge sein. Die Landwirtschaft kann durch vom Klimawandel erlittene Einnahmeausfälle unter anderem durch eine gerade diskutierte „Mehrgefahren Versicherung" entschädigt werden.
Ebenso müssen Maßnahmen zur Anpassung der Produktion an veränderte klimatische Bedingungen gefördert werden. Eine solche finanzielle Förderung sehe ich für die Landwirtschaft eher über Landesbehörden.
Einen dauerhaften finanziellen Ausgleich ausschließen aus öffentlichen Kassen des Landkreises sehe ich indes nicht.

Frage 12: Inwieweit ist der Heidekreis für die zukünftige Ankunft von sogenannten "Klimageflüchteten" gewappnet? Wie wollen Sie den Ansprüchen einer Unterbringung und Versorgung gerecht werden?

Dem Landkreis liegen schon jetzt klimaveränderungsbezogene Kartenwerke hinsichtlich der Beregnungsbedürftigkeit von landwirtschaftlichen Flächen vor. Die Bedürftigkeit wird demnach grundsätzlich steigen. Eine Zulassungspraxis hierfür ist in Teilen schon daraufhin angepasst. Das bedeutet, dass sich Beregnungsverbände und Einzelberegner ihre erforderlichen Gutachten zu den
Auswirkungen der Wassernutzung schon auf die zukünftigen Bedürftigkeiten hin ausarbeiten lassen. Die Grundwasservorkommen im Heidekreis sind im Geestbereich des Landkreises mächtig, so dass dort keine Probleme zu erwarten sind. Lediglich im Aller-Leine-Tal, insbesondere südlich der Aller ist die Beurteilung für die Zukunft noch unklar. Hier bleibt derzeit abzuwarten, welche Ergebnisse und Erkenntnisse die vorgesehene Überprüfung durch die Enercity AG bei der Region Hannover hervorbringt.
Eine grundsätzliche Beeinträchtigung der Wasserversorgung besteht aufgrund der vorhandenen Vorkommen im Heidekreis für die Zukunft nicht.
Die Wasserversorger müssen ggf. jedoch prüfen, ob eine technische Anpassung erforderlich ist, um in Stoßzeiten einer Überlastung ihrer Netze zu begegnen.
Die Sicherstellung der Wasserversorgung an sich ist Aufgabe der Städte und Gemeinden. Diese bzw, ihre Stadtwerke verfügen bereits heute über entsprechende Notfallpläne, die stets angepasst werden und auch im Laufe der kommenden klimatischen Veränderungen angepasst werden müssen.

Frage 13: Welche Vorhaben haben Sie zum Schutz der regionalen Wasservorkommen und  -versorgung, auch im Zeichen der Klimaanpassung?

Die Widerstandsfähigkeit von Wäldern ist eine der Herausforderungen der kommenden Jahre auch im Heidekreis und kann nur gemeinsam mit den forstwirtschaftlichen Institutionen angegangen werden. Die Widerstandsfähigkeit kann durch eine Mischung von heimischen Baumarten gesteigert werden. Mischwälder können zu einer besseren Wasser- und Nährstoffversorgung beitragen und sind gegen Schädlinge widerstandsfähiger. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen wären fünf unterschiedliche Baumarten in einem Wald wünschenswert. Darüber hinaus können klimasensitive Baumarten durch klimawandeltaugliche, klimageeignete und damit widerstandsfähigere Arten ersetzt werden.
Die Suche nach Alternativbaumarten ist jedoch sehr zeitintensiv und hinsichtlich eines erfolgreichen, dauerhaften Austauschs risikobehaftet.

Frage 14: Wie wollen Sie die Wälder des Heidekreises bewahren und widerstandsfähiger machen, sodass sie den zu erwartenden klimatischen Veränderungen gewachsen sind?

Meiner Ansicht nach ergeben sich Möglichkeiten durch die Bepreisung des Gutes „Umwelt" und finanzielle Anreize bei der Umstellung der Güterverkehre von der Straße auf die Schiene bei gleichzeitigem Ausbau des Schienennetzes für mehr schienengebundenen Güterverkehr.

Frage 15: Wie kann der Heidekreis aus Ihrer Sicht die ökonomisch-ökologische Transformation in der Region in Bezug auf Güterverkehr bewältigen?

Grundsätzlich müssen Eingriffe in Natur und Landschaft an anderer Stelle ausgeglichen bzw. kompensiert werden. Zur naturschutzrechtlichen Kompensation zählen insbesondere Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Die Umsetzung dieser Maßnahmen ist ständiger Auftrag des Landkreises als Untere Naturschutzbehörde und auch mir als Landrat wichtig. Sie unterliegt einer ständigen Kontrolle.
Bei den Ausgleichsmaßnahmen ist die gleichartige Wiederherstellung der Beeinträchtigungen erforderlich. So sind Waldrodungen wieder aufzuforsten oder ein zerstörtes Feuchtbiotop durch Neuanlage eines Feuchtbiotopes an anderer Stelle zu kompensieren.
Bei Ersatzmaßnahmen ist im Gegensatz dazu lediglich eine gleichwertige Herstellung der beeinträchtigten Funktion in der betroffenen naturräumlichen Region ausreichend. Der Heidekreis bedient sich für die Umsetzung dieser naturschutzfachlichen Kompensationsmaßnahmen der 2009 durch den Landkreis gegründeten Naturschutzstiftung Heidekreis und ihrer angegliederten GmbH als Dienstleister. Hierfür erhält sie z.B. Ersatzgelder für Eingriffe in Natur und Landschaft beim Bau von Windkraftanlagen. Die möglichen Maßnahmen ergeben sich aus dem Ergebnisbericht zur praxisorientierten Umsetzung von naturschutzfachlichen Kompenstionsmaßnahmen im Wald (siehe: naturschutzstiftung-heidekreis.de / abgeschlossene Projekte---Ergebnisbericht).
Insgesamt hat sich diese Struktur im Heidekreis bewährt und ich plädiere dafür diese beizubehalten.

Frage 16: Wie wollen Sie sich auf Kreisebene für eine nachhaltige Flächennutzung- und bebauung z.B im Bezug auf klimafreundliche Gewerbeflächen als Standortvorteil einsetzen.

Der Klimaaspekt muss künftig bei der Erarbeitung und Umsetzung von Flächennutzungs-und Bebauungsplänen viel stärker berücksichtigt werden, wenn das Klimaziel, bis 2030 mindestens 55% der Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 zu reduzieren, erreicht werden soll. Städte und Gemeinden können die Nutzung von Flächen auf ihrem Gebiet nach Art und Intensität in der Bauleitplanung autonom festlegen. Landkreise selbst erlassen keine Flächennutzungs- und Bauleitpläne.
Bei der Festlegung der Nutzungsarten in einem bestimmten Gemeinde- oder Stadtgebiet können die Kommunen außerdem auf eine Reihe von vorgegebenen, energieeffizienten Baugebietstypen zurückgreifen. Diese Maßnahmen sollten schnellstmöglich auf kommunaler Ebene angegangen werden.

Frage 17: Wie wird sichergestellt, dass Bäume, die im Sinne einer Kompensation von Waldrodungen für Flächen neu angepflanzt wurden, auf die selbe Größe heranwachsen und, wie werden sie die zu erwartenden Hitzeperioden und Schädlingsbefälle überstehen?

Mir sind für Schülerinnen und Schüler die bereits für den Sek-Il-Bereich eingeführten 15,-€-Monats-Tickets wichtig, die künftig ganzjährig im gesamten Heidekreis und nicht nur zwischen Wohnung und Schule Gültigkeit haben sollen. Der ÖPNV muss attraktiver gestaltet werden, indem -zunächst als Pilotprojekt- tagsüber im Ein- oder Zweistundentakt im Rahmen eines Ringverkehrs Buslinien angeboten werden. Darüber hinaus sollen abends von ausgewählten Bahnhöfen aus Kleinbusse „on demand" Fahrgäste nach Hause fahren können. Alle Vorschläge werden im Arbeitskreis „Mobilität" und den Ausschüssen des Heidekreises noch beraten. Die Umsetzung liegt mir auch aus Gründen der Erreichung der Klimaziele sehr am Herzen. Außerdem wird der Radwegeausbau im Heidekreis forciert, ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, denn ich bin selbst leidenschaftlicher Radfahrer. Es sind in den nächsten Jahren rund 30 neue Radwege geplant. Auch der schienengebundene Personennahverkehr soll attraktiver werden. Bis 2026 wird es endlich eine generelle Durchbindung der Nahverkehrszüge aus dem Heidekreis bis Hamburg-Harburg geben, ohne Umstieg in Buchholz/Nordheide. Darüber hinaus fordert der Heidekreis den zweispurigen Ausbau der Heidebahn für mehr Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit des Nahverkehrs in Richtung Hamburg und Hannover. Der Inhalt des dafür vom Heidekreis in Auftrag zu gebenden Gutachtens befindet sich in der Endabstimmung. All diese Maßnahmen sollen die Attraktivität des ÖPNV steigern und damit den Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehre erleichtern.

Frage 18: Sollte bei Erarbeitung und Umsetzung von neuen Flächennutzungsplänen und Bebauungsplänen der Klimaaspekt verstärkt im Fokus stehen? Sind Vorgaben zu emissionsfreien und klimaneutralen Bauvorschriften geplant oder befinden sich bereits in der Umsetzung, wie Niedrigenergiehäuser, Vorgaben für die Nutzung von Erdwärmekonzepten, etc.?

Aufgrund des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) des Heidekreises sind bisher etwa 150 Windkraftanlagen und rund 80 Biogasanlagen gebaut worden. Im Bereich der Stadt Walsrode wird bereits heute viermal mehr Strom erzeugt als hier verbraucht wird.
Geplant ist beim Heidekreis der Ausbau „Wind" durch neue Regelungen im und über das RROP. Darüber hinaus ist ein weiterer Ausbau von Flächensolar über die Bauleitplanung der Kommunen erforderlich und schließlich der Dachflächensolarausbau.
Dieser wird über eine Auswertungsanalyse vorhandener Daten im Auftrag der Energieagentur des Heidekreises vollzogen. Hierzu zählen auch alle Gebäude des Heidekreises, wie Schulbauten, Kreishäuser und Sporthallen, die auf Umsetzungsmöglichkeit energiegewinnender Technologien überprüft werden müssen. Alle Maßnahmen sind mir gleichermaßen wichtig, um die regenerative Energiegewinnung im Heidekreis zu erweitern.
Auch das neue Gesamtklinikum wird unter Einhaltung und Ausnutzung aller energieeinsparender sowie -gewinnender Möglichkeiten gebaut werden.

Frage 19: Welche Maßnahmen sehen Sie vor, um den öffentlichen Nahverkehr im Raum des Heidekreises attraktiver für Mensch und Natur zu gestalten?

Für die eigenen Liegenschaften des Landkreises wird in den nächsten Jahren insbesondere in die Gebäudesubstanz der Schulen investiert werden. Auch dies ist mir mit Blick auf die Fortentwicklung der Bildungsregion Heidekreis wichtig. Die Ausschreibungen werden selbstverständlich Möglichkeiten der regenerativen Energiegewinnung berücksichtigen.

Frage 20: Dem Gebäudesektor steht, wie dem Verkehrssektor, noch die große Transformation zur Klimaneutralität bis 2050 bevor. Werden konkrete Maßnahmen von Ihnen ergriffen, damit die Bestandsgebäude und die Neubauten, zum Beispiel beim neuen Heidekreisklinikum, in Zukunft deutlich energieeffizienter sind?

Nach der Pandemie wird es für mich als Landrat definitiv kein zurück in die alten Gewohnheiten getreu dem Motto „Business as usual" geben. Dies hat bereits schon jetzt Auswirkungen auf die Arbeitswelt, was beim Heidekreis drei Mal soviel Heimarbeitsplätze hervorgerufen hat wie vor der Pandemie. Dieser Status soll erhalten werden, hängt aber von der freien Entscheidung einer jeden Mitarbeiterin und eines jeden Mitarbeiters ab. Dafür werbe ich bereits jetzt aktiv. Dies hat Energieeinsparungen durch geringere Nutzung des eigenen Pkw's und Schonung von Flächenressourcen zur Folge, weil bei etwaigen zusätzlichen Stellen Gebäudeerweiterungen vermieden werden können. Pandeniebedingt sind weniger Dienstreisen angefallen, ohne dass es zu Informationsdefiziten gekommen ist. Grund waren online angebotene Seminare und Fortbildungen sowie Konferenzen. Dies soll weiterhin angeboten und bei anderen
Dienststellen eingefordert werden. Die Anpassung geeigneter Hard- und Software innerhalb der Kreisverwaltung sowie Ausstattung dafür geeigneter Konferenzräume ist bereits erfolgt. Auch hier ist kein „Zurück zu den Anfängen" geplant. Ganz im Gegenteil. Es sollen die technischen Möglichkeiten hierzu innerhalb der Kreisverwaltung ausgebaut werden. Auch dies trägt zu einem generationengerechten Klimaschutz bei.
Mit den im Heidekreis bereits vorhandenen Strukturen, unseren Agenturen und bereits laufenden Projekten werden wir uns den neuen Technologien für effizientere Energienutzung und Energiegewinnung stellen, diese, soweit es finanziell möglich ist, fördern und durch Aufklärung bei Dritten für deren Einführung werben. EU-Projekte werden zur Erreichung dieser Ziele bereits konsequent genutzt und dies wird auch weiterhin der Fall sein.